Kiriku, der Siebenschläfer

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Kiriku, der Siebenschläfer

Beitrag  Gabriel Meinholdt am Mi Jul 16, 2014 9:26 am

Während der Sommerferien vor zwei Jahren geriet Gabriel versehentlich mitten in einen Kampf auf Leben und Tod eines Siebenschläfers mit einer Wildkatze. Gabriel wusste, dass er sich nicht einmischen durfte, auch wenn sein Herz sofort zu dem kleinen grauen Tier hielt, denn es war der Lauf der Natur.
Er wollte gehen, aber der unbändige Mut des kleinen Siebenschläfers, der immer wieder die Katze angriff, imponierte ihm. Der Siebenschläfer vollführte Angriffe, biss die Katze, zog sie am Schwanz und war jedes Mal wieder aus deren Reichweite gehüpft, wenn die scharfen Krallen zum Einsatz kommen sollten. Ein seltsames Verhalten eines kleinen Nuss-Essers, der die Katze wohl von irgendetwas abbringen wollte. Doch die Katze hatte nur Augen für ein kleines Loch im Baum.

Erst als die Katze mit ihrer Pfote kleine, graue Knäule aus dem Astloch fischte, wurde es Gabriel klar: es musste sich um das Nest des Siebenschläfers handeln! Die Erkenntnis durchzuckte ihn wie ein Stromstoß und ohne darüber nachzudenken, preschte er vor. Die Wildkatze erschrak und floh mit kleinen, grauen Wesen in ihrem Maul.

Panisch und voller Schuldgefühle saß Gabriel in den Trümmern seiner Schuld: noch ein Baby, tot, und das Siebenschläferweibchen fast apathisch und verletzt in seinen Händen. Er wusste, es war der Lauf der Natur; die Katze hatte auch nur Hunger, und doch…. krampfte sich sein Herz zusammen und er schloss beschützend seine Hände um das kleine Tier.

Gabriel nahm das Weibchen mit nach Hause und pflegte es gesund. Ihre Apathie schwand nie ganz, aber nach ein paar Tagen fraß sie wenigstens etwas. Tiefe Schuld ließ Gabriel sich rührend um den Siebenschläfer kümmern und alles weitere Unheil von ihr abhalten. Er bereitete ihr eine Höhle in einem alten Vogelhäuschen, aus weichem Stoff und getrocknetem Moos und stellte dies auf den Nachttisch neben seinem Bett. So hatte er stets ein Auge auf das kleine Tier, das sich erstaunlich langsam erholte.
Doch zu dieser Zeit, als er noch fest davon überzeugt war, sie eines Tages wieder auszusetzen, hatte er ihr bereits den Namen Kiriku gegeben.

Bereits bevor die Sommerferien ganz zu Ende waren, verfiel Kiriku in Winterschlaf. Gabriel haderte lange mit sich, doch seine tiefsitzende Schuld verbot ihm, Kiriku in die Obhut von jemandem Anderen zu geben und nahm sie mit nach Marschlins. Er belegte sein Schlafzimmer mit einem Katzen-Fernhalte-Zauber und wachte über Kirikus Winterschlaf; gab ihr Nahrung und Wasser für die seltenen Male, in denen sie erwachte und sich benommen umblickte.

Im Frühling war Gabriel der Siebenschläferdame schon vollkommen verfallen und ängstigte sich vor dem Moment, in dem sie ihn verlassen würde. Er fragte Mannli, ob Kiriku auf dem Schloss leben dürfte und suchte bereits geeignete Bäume im Wald aus, doch Kiriku machte keine Anstalten, Gabriels Zimmer verlassen zu wollen. Sie wuselte nur in diesen vier Wänden herum, als wüsste sie, dass das Schloss voller Katzen sei. In dieser Zeit genoss sie Gabriels Nähe und kam immer häufiger zu ihm, ließ sich streicheln, vergrub sich in seinen hohlen Händen oder seinem Pullover und schlief neben seinem Kopfkissen.

Als Gabriel in den Sommerferien fest entschlossen, Kiriku auszuwildern, Heim kehrte, reiste Kiriku in der Tasche seines leichten Sommerpullovers. Ob sie sein Schlafzimmer erkannte oder sie es akzeptierte, weil Gabriel selbst da war, ließ sich nicht feststellen, aber sie bezog wie selbstverständlich ihr mitgebrachtes Vogelhäuschen und fühlte sich neben Gabriels Bett sichtlich wohl. Ausflüge nach draußen unternahm sie nur mit Gabriel zusammen. Sie hatte nie wieder das Interesse an der Freien Wildbahn.
Und so ist es bis heute geblieben.
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Re: Kiriku, der Siebenschläfer

Beitrag  Kritty am Sa Jul 19, 2014 9:41 am

Awww!

Find ich toll - abgesegnet! Wink

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